Das Internet im Kopf

4.10.2019 | Unsere Themen der Woche: Facebook forscht daran, unsere Gedanken zu lesen. Und; die Ausbreitung von mitgliederfinanziertem Journalismus im Netz.



1. Das Internet im Kopf



Mit den eigenen Gedanken den Computer steuern? Was wie aus einem Science-Fiction-Film klingt, ist tatsächlich schon möglich. Ein Student am MIT hat ein Gerät entwickelt, mit dem man nur per Gedankenkraft eine Google-Suchanfrage starten kann: http://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/selbstgespraeche-alter-ego-kann-deine-gedanken-lesen?fbclid=IwAR1wqkrStn8pJeZvxcDzxGVR59GAx2dS8sYWr4_1Z0HxUBsl7xMGvtai36k.

Das Gerät überträgt das Ergebnis direkt „in den Kopf“ der Benutzer*in. Das funktioniert über Vibrationen auf die Gehörknochen. Die Idee dahinter ist laut Erfinder, das gesamte Internet im Kopf zu haben. An solchen Technologien sind auch Firmen wie Facebook interessiert. Der Social Media Betreiber forscht seit 2017 daran, wie sich Dinge nur mit den Gedanken steuern lassen. Zusammen mit Forschenden der University of California, San Francisco hat das Facebook Reality Lab (die eigene Forschungseinrichtung von Facebook) jetzt erste Ergebnisse im Fachmagazin Nature Communications veröffentlich. Sie haben ein Gerät entwickelt, dass Gedanken nur anhand von Gehirnströmen in Sprache umwandeln kann: http://www.nature.com/articles/s41467-019-10994-4?mkt_tok=eyJpIjoiWlRCaE56ZzBZemd6TnpjeiIsInQiOiJnWDV5M0RvR2xraytodUNkcEdhV3Z6RW9TZXBkWlo5c2NGQjE3M3Q0U1BuT2REdnVGXC9mbmVzNmlSQmppdk5veDcwQjZOelQxSng3Y0dxRHltNEdqajFhZWpRWlFoYmVLY1ZiYThGbVFVSWRxamd6YU5xRnhYUWJqUFpOcFdKb1UifQ%3D%3D.

Bisher funktionierte so etwas nur mit Implantaten. Facebook möchte durch diese neue Technik seine Plattform auch Menschen mit Behinderung zugänglich machen. Nebenbei käme das Soziale Netzwerk wohl an weitere wertvolle Daten der Nutzer*innen.

2. Mitgliederfinanzierter Journalismus



Viele Nachrichtenseiten haben für ihr Onlineangebot mittlerweile eine so genannte Bezahlschranke eingeführt. Je nach Modell müssen Leser*innen zum Beispiel für bestimmte Artikel bezahlen oder können nur eine gewisse Anzahl an Artikel kostenlos pro Monat lesen.

Das Nachrichtenportal „De Correspondent“ (http://decorrespondent.nl) aus den Niederlanden setzt auf Mitgliederfinanzierung.
Einige Artikel sind für alle zugänglich, Mitglieder haben den vollen Zugriff und bezahlen nach dem Pay-what-you-want-Prinzip, also so viel sie möchten. Vor sechs Jahren ist das Projekt gestartet, mittlerweile zählt „De Correspondent“ 60.000 zahlende Unterstützer*innen.

Die Macher*innen schreiben nicht über tagesaktuelles, sondern über alltägliches. Seit Montag hat die Seite einen englischen Ableger, „The Correspondent“. 2,6 Millionen Dollar wurden dafür per Crowdfunding gesammelt. Frei zugänglich ist zum Beispiel der Artikel von Autor Tanmoy Goswami, der über seien Depressionen schreibt und über den gesellschaftlichen Umgang damit.

Solche Modelle gibt es auch in Deutschland. Die Krautreporter (http://krautreporter.de/mitglied_werden) sind 2014 aus einem Crowdfunding-Projekt gestartet und finanzieren sich ebenfalls über ihre Mitglieder. Wer möchte kann auch Teil der Genossenschaft werden.

Aktuell zahlen etwa 11.600 Mitglieder für die Artikel der Krautreporter (http://steadyhq.com/de/krautreporter). Gerade die langen Reportagen der Krautreporter beschäftigen sich ebenfalls mit alltäglichen Themen als mit tagesaktuellen. Die gibt es wiederum in verschiedenen Newslettern, wie etwa „Krautreporter Morgenpost“ mit den drei wichtigsten Themen das Tages.

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